DIY & Naturkosmetik

DIY & Naturkosmetik: die Schritt-für-Schritt-Anleitung

Wenn selbst gemachte Naturkosmetik kippt, liegt es selten am fehlenden Talent. Meist war zu viel Wasser im Spiel, die Dosierung der ätherischen Öle wurde nur grob geschätzt oder das fertige Öl stand wochenlang warm und offen im Badezimmer.

DIY & Naturkosmetik: die Schritt-für-Schritt-Anleitung

Genau hier entscheidet sich, ob aus ein paar guten Rohstoffen eine stimmige Rezeptur wird – oder ein hübsch etikettiertes Pflegeproblem.

DIY-Naturkosmetik mit ätherischen Ölen braucht kein Labor. Sie braucht sauberes Arbeiten, eine Waage oder zumindest nachvollziehbare Tropfenangaben und ein klares Verständnis dafür, welche Zutaten zusammenpassen. Ein reines Körperöl ist handwerklich etwas völlig anderes als eine Creme. Ein Rollerball für die Handgelenke wird anders dosiert als ein Badezusatz. Und Vitamin E hält kein Wasserprodukt keimfrei, auch wenn das in manchen Rezepten noch immer so klingt.

Gute DIY-Kosmetik beginnt nicht mit dem Duft, sondern mit der Frage: Wie viel Wasser, wie viel Öl und wie viel Hautfläche soll diese Rezeptur später sehen?

Erst die Basis klären: Ölprodukt oder Wasserprodukt?

Der wichtigste Schritt passiert vor dem Mischen. Schau dir an, ob deine Rezeptur Wasser enthält. Das klingt banal, wird aber bei selbst gemachten Cremes, Lotionen und Sprays schnell übersehen.

Reine Ölmischungen bestehen aus Trägerölen, Buttern und gegebenenfalls ätherischen Ölen. Mikroorganismen finden darin keine geeignete Wasserphase vor, deshalb brauchen solche Produkte normalerweise kein Konservierungsmittel gegen Bakterien, Hefen oder Schimmelpilze. Sie können bei sauberer Herstellung und passender Lagerung meist mindestens sechs Monate haltbar sein. Das ist keine starre Verfallsfrist: Licht, Wärme, Sauerstoff und die Qualität der verwendeten Öle verändern die tatsächliche Haltbarkeit.

Wasserhaltige Rezepturen sind heikler. Dazu gehören Cremes, Lotionen, Gels, Hydrolat-Mischungen und viele selbst gemachte Körpersprays. Schon kleine Mengen Wasser können zusammen mit Pflanzenstoffen, Fingertupfern und warmen Räumen einen guten Nährboden für Keime bilden. Ohne geeignete Konservierung sollten solche Produkte im Kühlschrank höchstens ein bis zwei Wochen aufbewahrt und bei jeder Veränderung von Geruch, Farbe oder Konsistenz entsorgt werden.

Vitamin E, also Tocopherol, ist dabei nützlich, aber nur für einen bestimmten Zweck: Es bremst die Oxidation der Öle und schützt sie vor dem schnellen Ranzigwerden. Es konserviert keine Wasserphase. Eine Creme mit Wasser wird durch Vitamin E also nicht automatisch sicher oder monatelang haltbar.

Die Unterschiede auf einen Blick

RezepturTypische ZutatenWas sie brauchtGrobe Haltbarkeit
KörperölJojobaöl, Mandelöl, Aprikosenkernöl, ätherische Ölesauberes Arbeiten, lichtgeschützte Flaschemeist mindestens 6 Monate
RollerballTrägeröl und geringe Menge ätherischer Ölegenaue Verdünnung, sauberer Roll-onmehrere Monate, abhängig vom Trägeröl
BalsamPflanzenöl, Sheabutter oder Bienenwachsvorsichtiges Erwärmen, trockene Abfüllungmeist mehrere Monate
BadesalzSalz, ätherische Öle, Emulgator oder Trägeröltrockene Lagerung, gute Verteilung im Badmehrere Wochen bis Monate, je nach Feuchtigkeit
Creme oder LotionWasserphase, Ölphase, EmulgatorKonservierung und hygienische Herstellungohne Konservierung nur sehr kurz

Schritt 1: Das Rezept nicht nach Gefühl, sondern nach Hautfläche dosieren

Ätherische Öle gehören fast nie unverdünnt auf die Haut. Sie sind hochkonzentrierte Pflanzenextrakte und können pur Reizungen oder Verbrennungen verursachen. Der Duft, der im Fläschchen angenehm wirkt, sagt nichts darüber aus, ob die Konzentration für Gesicht, Körper oder ein kleines Handgelenk geeignet ist.

Für das Gesicht und empfindliche Haut ist eine Verdünnung von etwa 0,5 Prozent ein guter Orientierungswert. Das entspricht ungefähr drei Tropfen ätherischem Öl auf 30 Milliliter Trägeröl. Für Körperöl oder Bodylotion liegt eine übliche Verdünnung bei etwa 0,5 bis 1 Prozent. Wenn du neu einsteigst, bleib zunächst am unteren Ende.

Eine einfache Einstiegsregel lautet: ein Tropfen ätherisches Öl auf einen Teelöffel Trägeröl. Ein Teelöffel entspricht ungefähr fünf Millilitern. Diese Regel ersetzt keine genaue Berechnung, sie verhindert aber, dass ein kleines Fläschchen mit einer unüberschaubaren Menge Duftstoff überladen wird.

Bei Tropfenangaben musst du außerdem im Hinterkopf behalten, dass Tropfer unterschiedlich dosieren. Die Viskosität des ätherischen Öls, die Form des Fläschchens und die Temperatur spielen eine Rolle. Für kleine Haushaltsrezepturen sind Tropfen praktisch, für wiederholbare Formulierungen ist eine Feinwaage sauberer.

Eine brauchbare Orientierung

  • Gesicht und empfindliche Haut: etwa 0,5 Prozent.
  • Körperöl und Bodylotion: etwa 0,5 bis 1 Prozent.
  • Roll-on für eine kleine Hautstelle: lieber niedrig dosieren und zunächst sparsam anwenden.
  • Kinder, Schwangerschaft, Allergieneigung oder chronische Hautprobleme: nicht nach einem allgemeinen Erwachsenenrezept arbeiten, sondern die Auswahl und Dosierung fachkundig abklären.
  • Zitrusöle: nur mit Blick auf die jeweilige Phototoxizität und die spätere Sonnenexposition einsetzen.

Der Ausdruck „ein Schuss“ hat in einer Rezeptur nichts verloren. Er ist beim Kochen manchmal charmant, bei ätherischen Ölen aber schlicht zu ungenau.

Schritt 2: Trägeröl nach Textur und Einsatz auswählen

Das Trägeröl ist nicht nur ein neutrales Transportmittel für ätherische Öle. Es bestimmt, wie sich die Mischung auf der Haut anfühlt, wie schnell sie einzieht und wie stabil sie sich lagern lässt.

Jojobaöl ist für Rollerballs, Körperöle und einfache Gesichtsölmischungen praktisch, weil es sich leicht verteilen lässt und eine vergleichsweise stabile Textur mitbringt. Es fühlt sich weniger schwer an als viele klassische Pflanzenöle und eignet sich gut, wenn das fertige Produkt nicht fettig auf der Haut stehen soll.

Süßmandelöl ist geschmeidiger und etwas satter. Es passt zu Körperölen, Massageöl und reichhaltigeren Mischungen. Bei Nussallergien ist allerdings Vorsicht angebracht. Für empfindliche Formulierungen kannst du auch auf andere Pflanzenöle ausweichen, sofern ihre Eigenschaften zur Anwendung passen.

Kokosöl bringt eine festere, je nach Temperatur sogar kompakte Textur mit. Für einen Balsam kann das angenehm sein; für einen Rollerball ist es unpraktisch, wenn die Mischung bei kühleren Raumtemperaturen fest wird. Auch Sheabutter verhält sich eher wie ein fester Baustein und muss in einem Balsam sorgfältig eingearbeitet werden.

Für eine stimmige Rezeptur stellst du dir deshalb drei Fragen:

  • Soll das Produkt flüssig, cremig oder fest sein?
  • Soll es schnell einziehen oder als Schutzfilm auf der Haut bleiben?
  • Wird es mit trockenen Händen entnommen oder direkt aus einer verschlossenen Flasche aufgetragen?

Diese Fragen entscheiden mehr über die Alltagstauglichkeit als ein möglichst langer Zutatenzettel.

Schritt 3: Arbeitsfläche, Gefäße und Hände vorbereiten

Sauberkeit ist bei DIY-Kosmetik kein Nebenthema. Du brauchst dafür aber keine komplizierte Laborausrüstung. Eine gründlich gereinigte Arbeitsfläche, saubere Hände, ein desinfiziertes oder frisch ausgekochtes Gefäß und ein kleiner Trichter reichen für eine reine Ölmischung meistens aus.

Glasfläschchen sind für Körperöl und Rollerballs eine gute Wahl. Sie lassen sich sauber verschließen und schützen die Rezeptur besser als offene Schälchen. Für lichtempfindliche Mischungen sind Braunglasflaschen sinnvoll. Der Verschluss sollte dicht sitzen – nicht nur dekorativ auf dem Flaschenhals liegen.

Arbeite mit trockenen Utensilien. Ein einziger Wassertropfen macht aus einem reinen Ölprodukt zwar nicht sofort eine verdorbene Mischung, aber er bringt eine unnötige zusätzliche Variable hinein. Bei Badesalz ist Feuchtigkeit besonders ärgerlich: Sie lässt das Salz verklumpen und kann die Haltbarkeit verkürzen.

Lege dir vor dem Start alles bereit:

1. Das gereinigte Gefäß und den passenden Verschluss.

2. Die Trägeröle und ätherischen Öle.

3. Pipette oder Tropfer sowie gegebenenfalls eine Feinwaage.

4. Einen kleinen Trichter oder einen Spatel.

5. Ein Etikett mit Rezeptur, Herstellungsdatum und Verwendungszweck.

Das Etikett ist kein übertriebener Laborreflex. Nach einigen Wochen weißt du sonst nicht mehr, ob in der Flasche Jojobaöl mit Lavendel steckt oder eine ältere Mischung mit Zitrusöl. Gerade bei selbst gemachten Produkten ist ein Herstellungsdatum der einfachste Weg, den Überblick zu behalten.

Ein einfaches Körperöl mit ätherischen Ölen

Für ein Körperöl brauchst du keine komplizierte Ölphase. Entscheidend sind ein passendes Trägeröl, eine moderate Duftkonzentration und eine saubere Abfüllung.

Zutaten für 30 Milliliter

  • 20 Milliliter Jojobaöl
  • 10 Milliliter Süßmandelöl
  • etwa 3 bis 6 Tropfen ätherisches Öl, je nach gewünschter Verdünnung und Hautverträglichkeit
  • optional eine kleine Menge Vitamin E als Antioxidans nach Herstellerangabe

Wenn du eine Gesichtsmischung herstellen möchtest, bleib bei ungefähr 0,5 Prozent. Für 30 Milliliter entspricht das etwa drei Tropfen ätherischem Öl. Für ein Körperöl kann die Konzentration je nach Duftstoff und geplanter Anwendung etwas höher liegen, sollte aber nicht automatisch bis an die Obergrenze ausgereizt werden.

So arbeitest du

1. Fülle Jojobaöl und Süßmandelöl in das trockene Mischgefäß.

2. Gib die abgezählte Menge ätherisches Öl dazu.

3. Ergänze Vitamin E nur dann, wenn du die Dosierung des verwendeten Produkts kennst.

4. Rühre die Mischung langsam ein oder verschließe das Gefäß und schwenke es vorsichtig.

5. Fülle das Öl in eine saubere, trockene Flasche und verschließe sie direkt.

6. Beschrifte die Flasche mit Datum und Zusammensetzung.

Das Öl muss nicht schaumig aufgeschlagen werden. Bei einer flüssigen Ölmischung reicht ein ruhiges Vermengen. Wenn du zu kräftig schüttelst, entsteht nur vorübergehend Luft in der Flasche – für die Rezeptur bringt das keinen Vorteil.

Trage das Körperöl am besten auf leicht feuchte Haut auf. So lässt es sich dünner einarbeiten und hinterlässt weniger das Gefühl, als hätte die Haut eine glänzende Wachsschicht bekommen. Bei empfindlicher Haut testest du die Mischung zunächst an einer kleinen Stelle.

Rollerball: kleine Menge, große Konzentration

Ein Rollerball wirkt harmlos, weil er klein ist. Genau das macht die Dosierung anspruchsvoll: In wenigen Millilitern kann sich schnell eine relativ hohe Konzentration ätherischer Öle sammeln.

Für einen Rollerball mit 10 Millilitern Trägeröl eignet sich Jojobaöl besonders gut, weil es flüssig bleibt und sich über die Rollerkugel sauber verteilen lässt. Wenn du eine Gesichtsanwendung oder eine sehr empfindliche Hautstelle planst, orientiere dich an etwa 0,5 Prozent. Das sind ungefähr ein halber Tropfen auf 10 Milliliter – praktisch lässt sich diese Menge mit einem Tropfer kaum exakt herstellen.

Deshalb ist für sehr kleine Rollerballs eine größere Ansatzmenge sinnvoll. Du kannst beispielsweise 30 Milliliter Trägeröl mit ungefähr drei Tropfen ätherischem Öl auf 0,5 Prozent verdünnen und daraus mehrere kleine Fläschchen abfüllen. So wird die Mischung gleichmäßiger und du musst nicht versuchen, einen halben Tropfen zu teilen.

Für einen Körper-Rollerball mit 10 Millilitern kannst du etwas höher dosieren, aber auch hier gilt: Nicht jedes ätherische Öl ist gleich hautfreundlich. Zitrusöle können phototoxisch sein. Bergamotte, Zitrone und Limette gehören zu den Ölen, bei denen eine spätere Sonnenexposition problematisch werden kann. Ein Rollerball mit solchen Ölen gehört nicht unbedacht auf sonnenexponierte Haut.

Balsam mit Sheabutter: warum die Reihenfolge zählt

Ein Balsam besteht aus festen und flüssigen Fettbestandteilen. Sheabutter gibt Körper und eine sämige Haptik, Pflanzenöl macht die Masse streichfähiger, Bienenwachs sorgt für mehr Festigkeit und einen schützenden Film.

Grundrezept für einen kleinen Balsam

  • 15 Gramm Sheabutter
  • 10 Gramm Jojobaöl oder Süßmandelöl
  • 5 Gramm Bienenwachs
  • optional eine sehr geringe Menge ätherischer Öle, passend zur Gesamtmenge und Anwendung

Erwärme Sheabutter und Bienenwachs langsam im Wasserbad. Die Schüssel oder das hitzefeste Gefäß muss dabei trocken bleiben. Sobald die festen Bestandteile geschmolzen sind, rührst du das Trägeröl ein. Nimm die Mischung vom Wasserbad und lass sie etwas abkühlen, bevor du ätherische Öle einarbeitest. Zu viel Hitze ist für die flüchtigen Duftstoffe unnötig.

Fülle den noch flüssigen Balsam in ein sauberes Döschen. Erst beim Abkühlen entwickelt er seine endgültige Konsistenz. Rühre nicht hektisch, sonst arbeitest du Luft ein und bekommst später eine unruhige, krümelige Oberfläche. Wenn der Balsam vollständig fest ist, verschließt du das Döschen.

Ein Balsam aus wasserfreien Rohstoffen braucht normalerweise kein Konservierungsmittel gegen Mikroorganismen. Trotzdem solltest du nicht mit nassen Fingern hineingreifen. Besser ist ein kleiner Spatel oder eine trockene Fingerspitze. Feuchtigkeit im Tiegel macht aus einer stabilen Fettmischung nach und nach eine deutlich heiklere Rezeptur.

Badesalz mit ätherischen Ölen: Salz löst das Verteilungsproblem nicht

Ätherische Öle lösen sich nicht einfach in Wasser. Wenn du sie direkt in die Badewanne tropfst, schwimmen sie nicht gleichmäßig verteilt auf der Oberfläche, sondern können konzentriert mit der Haut in Kontakt kommen. Das ist besonders bei empfindlicher Haut keine gute Idee.

Du brauchst einen Emulgator oder ein geeignetes Trägermedium. Dafür kommen beispielsweise ein fettes Pflanzenöl, Sahne, Honig oder ein neutrales Duschgel infrage. Das ätherische Öl wird zuerst darin vermischt und erst anschließend dem Badewasser zugegeben.

Für ein Vollbad werden häufig vier bis zehn Tropfen ätherisches Öl verwendet. Diese Menge ist kein Freibrief für jedes Öl und jede Person. Bei empfindlicher Haut beginnst du niedriger. Die Duftmischung kommt zunächst in den gewählten Emulgator, dann wird sie in das laufende Badewasser gegeben.

Für ein trockenes Badesalz kannst du das ätherische Öl in einem kleinen Anteil Trägeröl einarbeiten und anschließend mit dem Salz vermengen. Arbeite gründlich, damit keine stark bedufteten Klümpchen zurückbleiben. Das Salz muss danach trocken gelagert werden. Ein feuchter Löffel im Glas reicht, um die Mischung zu verklumpen und die Haltbarkeit zu verschlechtern.

Wasserhaltige Cremes: hier endet die Küchenroutine

Eine Creme lässt sich nicht einfach aus Pflanzenöl, Wasser und ein wenig ätherischem Öl zusammenschütteln. Öl und Wasser trennen sich ohne Emulgator, und selbst eine optisch glatte Mischung kann mikrobiologisch instabil sein.

Wenn du eine wasserhaltige Creme oder Lotion herstellen möchtest, brauchst du:

  • eine definierte Wasserphase,
  • eine definierte Ölphase,
  • einen passenden Emulgator,
  • eine geeignete Konservierung,
  • saubere Herstellung und passende Verpackung,
  • eine realistische Einschätzung der Haltbarkeit.

Ohne Konservierung gehören solche Produkte in den Kühlschrank und sollten höchstens innerhalb von ein bis zwei Wochen verbraucht werden. Bei Geruchsveränderung, Schimmel, wässriger Absonderung oder auffälliger Konsistenz wird nicht mehr diskutiert, sondern entsorgt.

Ein Pumpspender ist für wasserhaltige Produkte hygienischer als ein Tiegel, weil weniger Fingerkontakt entsteht. Auch das ersetzt aber keine Konservierung. Verpackung und Konservierung arbeiten zusammen; keines von beidem kann die andere Maßnahme vollständig ersetzen.

Ätherische Öle auswählen: Duftprofil ist nicht genug

Bei einer DIY-Mischung ist der Duft nur die erste Ebene. Entscheidend sind auch Hautverträglichkeit, Anwendung und chemische Eigenschaften des jeweiligen Öls.

Zitrusöle wie Bergamotte, Zitrone oder Limette können phototoxisch sein. Nach der Anwendung kann Sonnenlicht schwere Hautreaktionen begünstigen. Wenn ein Produkt auf der Haut bleibt, gehört die mögliche Phototoxizität immer in die Rezepturentscheidung. Für ein abendliches Körperöl ist das etwas anderes als für einen Rollerball, den du morgens auf Hände oder Unterarme aufträgst.

Auch ein natürlicher Rohstoff kann reizen oder allergische Reaktionen auslösen. Teste eine neue Mischung an einer kleinen Hautstelle und verwende nicht mehrere neue ätherische Öle gleichzeitig. Sonst weißt du im Fall einer Reaktion nicht, welcher Bestandteil verantwortlich war.

Für den Einstieg ist eine schlichte Mischung oft die bessere Mischung. Ein oder zwei gut passende ätherische Öle lassen sich sauber dosieren und später leichter beurteilen. Ein Duftakkord aus sechs Komponenten klingt anspruchsvoll, macht die Fehlersuche aber unnötig schwierig.

Haltbarkeit: Der letzte Handgriff ist das Abdichten

Die Haltbarkeit entscheidet sich nicht erst am aufgedruckten Datum. Sie beginnt bei den Rohstoffen und endet mit Lagerung und Entnahme.

Reine Ölmischungen solltest du dunkel, trocken und möglichst kühl lagern. Das Badezimmer ist wegen Wärme und Luftfeuchtigkeit nicht immer der beste Ort. Ein geschlossener Schrank außerhalb direkter Sonne ist oft geeigneter. Nach jeder Anwendung wird die Flasche direkt wieder verschlossen.

Achte auf Veränderungen:

  • Der Geruch wird stechend, alt oder deutlich anders.
  • Das Öl wirkt ungewöhnlich trüb oder klebrig.
  • Ein Balsam zeigt feuchte Stellen oder auffällige Punkte.
  • Eine Creme trennt sich stark, riecht säuerlich oder entwickelt sichtbare Veränderungen.
  • Im Badesalz finden sich feuchte Klumpen oder ein fremder Geruch.

Bei einem reinen Ölprodukt ist eine Haltbarkeit von mindestens sechs Monaten unter geeigneten Bedingungen eine brauchbare Orientierung. Sie gilt nicht automatisch für jede Rezeptur. Ein empfindliches Pflanzenöl kann schneller oxidieren als Jojobaöl, ein halbvolles Fläschchen altert durch den vielen Luftraum schneller als eine frisch abgefüllte, gut gefüllte Flasche.

Schreibe deshalb auf jedes Produkt:

  • Herstellungsdatum,
  • genaue Trägeröle,
  • verwendete ätherische Öle,
  • Verdünnung oder Tropfenanzahl,
  • geplante Anwendung.

So bleibt die Rezeptur nachvollziehbar und du kannst beim nächsten Ansatz gezielt etwas verändern – die Textur, die Duftintensität oder die Haltbarkeit, aber nicht alles gleichzeitig.

Was eine gute DIY-Rezeptur ausmacht

Eine gelungene Naturkosmetikmischung muss nicht spektakulär sein. Sie muss zur Haut, zur Anwendung und zu deinem Alltag passen. Das bedeutet: eine überschaubare Zutatenliste, eine nachvollziehbare Dosierung und eine Textur, die du tatsächlich gern verwendest.

Wenn du Körperöl selber machen möchtest, beginne mit einer reinen Ölmischung. Sie lässt sich ohne Konservierung herstellen, sauber abfüllen und über die Konsistenz gut beurteilen. Für einen Balsam arbeitest du mit festen Fetten und lässt die Mischung in Ruhe auskühlen. Für Badesalz denkst du zuerst an die Verteilung im Wasser und erst danach an den Duft. Eine Creme kommt erst dann an die Reihe, wenn du Wasserphase, Emulgator und Konservierung sicher beherrschst.

Der handwerkliche Ablauf bleibt dabei immer ähnlich:

1. Anwendung festlegen: Gesicht, Körper, Rollerball, Bad oder punktuelle Pflege.

2. Wassergehalt prüfen: Rein ölbasiert oder wasserhaltig?

3. Trägeröl nach Textur auswählen: leicht, reichhaltig, flüssig oder fest.

4. Ätherische Öle niedrig und nachvollziehbar dosieren.

5. Sauber und trocken arbeiten.

6. Direkt in ein passendes Gefäß abfüllen und abdichten.

7. Datum, Rezeptur und Haltbarkeit notieren.

8. Bei jeder Veränderung nicht retten, sondern entsorgen.

DIY-Naturkosmetik wird nicht dadurch besser, dass möglichst viele Pflanzenstoffe darin landen. Sie wird besser, wenn jeder Bestandteil eine Aufgabe hat und die Mischung diese Aufgabe zuverlässig erfüllt. Ein gutes Körperöl zieht angenehm ein. Ein Balsam bleibt dort, wo du ihn einarbeitest. Ein Rollerball ist niedrig dosiert und sauber verschlossen. Und ein Badesalz verteilt die ätherischen Öle nicht als konzentrierte Tropfen auf deiner Haut.

Das ist keine spektakuläre Küchenmagie – sondern solides Formulieren. Genau damit fängt brauchbare Naturkosmetik an.

Häufige Fragen

Wie lange ist selbst gemachte Naturkosmetik haltbar?
Reine Ölmischungen können bei sauberer Herstellung und geeigneter Lagerung meist mindestens sechs Monate haltbar sein. Wasserhaltige Produkte sollten ohne geeignete Konservierung im Kühlschrank höchstens ein bis zwei Wochen aufbewahrt werden.
Wie verdünnt man ätherische Öle für die Haut?
Für Gesicht und empfindliche Haut gilt etwa 0,5 Prozent als Orientierung, für Körperöl und Bodylotion etwa 0,5 bis 1 Prozent. Eine einfache Einstiegsregel ist ein Tropfen ätherisches Öl auf einen Teelöffel beziehungsweise etwa fünf Milliliter Trägeröl.
Kann Vitamin E selbst gemachte Creme konservieren?
Nein. Vitamin E bremst die Oxidation der Öle und schützt sie vor schnellem Ranzigwerden, konserviert aber keine Wasserphase.
Welches Trägeröl eignet sich für einen Rollerball?
Jojobaöl eignet sich besonders gut, weil es flüssig bleibt und sich sauber über die Rollerkugel verteilen lässt. Für sehr kleine Rollerballs ist eine größere Ansatzmenge sinnvoll, damit sich niedrige Verdünnungen gleichmäßiger herstellen lassen.
Wie verwendet man ätherische Öle im Badesalz?
Ätherische Öle sollten zunächst in einem geeigneten Trägermedium oder einem kleinen Anteil Trägeröl vermischt und anschließend gründlich mit dem Salz vermengt werden. Direkt ins Badewasser getropfte Öle können konzentriert mit der Haut in Kontakt kommen.
Wie erkennt man, dass selbst gemachte Kosmetik entsorgt werden sollte?
Bei verändertem Geruch, auffälliger Farbe oder Konsistenz, sichtbaren Veränderungen, feuchten Klumpen im Badesalz oder Schimmel sollte das Produkt entsorgt werden.