
Kaffeearoma: Der Entspannungsindex klettert von 0,74 auf 0,78
September in der Fachzeitschrift Nutrients, hat diesen Wert bei 20 gesunden Erwachsenen zwischen 20 und 29 Jahren gemessen – nach fünf Minuten passiver Exposition gegenüber frisch gebrühtem Kaffee in rund 50 Zentimetern Distanz. Was nach Bauchgefühl klingt, ist nüchtern betrachtet ein elektrophysiologischer Befund mit klarer Richtung.
Versuchsaufbau und Messgrößen
Das Protokoll folgt einem sauberen Labordesign: Vor und nach der Aromaphase erfassten die Forschenden den Profile of Mood States (POMS), die Herzfrequenz über ein tragbares Gerät sowie die EEG-Aktivität. Die Teilnehmenden saßen, atmeten normal und taten nichts. Ergebnis: Die Gesamtstimmungsstörung (Total Mood Disturbance, TMD) sank. Spannung, Angst, Müdigkeit, Verwirrtheit und depressive Verstimmung reduzierten sich – einzig der Rückgang von Ärger und Feindseligkeit hielt einer statistischen Korrektur für multiple Vergleiche nicht stand. Die Herzfrequenz zeigte keine signifikante Veränderung. Der EEG-Entspannungsindex stieg über alle Probanden hinweg konsistent, wenn auch nur moderat.
Einordnung für die Aromatherapie
Was die Studie nicht leistet, ist die saubere Isolierung des Aromaeffekts. Eine Kontrollgruppe fehlt – die Teilnehmenden ruhten fünf Minuten neben heißem Kaffee, niemand saß zum Vergleich neben heißem Wasser. Damit bleibt offen, welchen Anteil die ruhige Laborumgebung, die Pause selbst oder die Erwartungshaltung am Ergebnis haben. Rod Mitchell, registrierter Psychologe bei Emotions Therapy Calgary, ordnet den Befund als klassischen Konditionierungseffekt ein: Wer regelmäßig Kaffee trinkt, hat den Duft über Jahre hinweg mit Pausen, Wärme und Entlastung verknüpft. Das Muster ist plausibel – die Stimmung senkt sich, das Energielevel bleibt konstant.
Für die Aromatherapie-Praxis bedeutet das: Kaffeearoma gehört nicht zu den evidenzbasierten Duftnoten. Lavendel- und Orangenöl verfügen über eine deutlich breitere Datenlage bei Angst- und Stressreduktion. Wer Kaffeeduft ergänzend nutzt, bewegt sich auf experimentellem Terrain. Die Zahl 0,78 ist real, aber kein Ersatz für etablierte Rezepturen. Eine Tasse frisch gebrühter Kaffee im Raum bleibt die einfachste Intervention – und mehr auch nicht.